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Katharina von Bora - Kammeroper

Das Werk

Im Jahr 2009 wurde Bert Appermont beauftragt anlässlich des sechzigsten Jubiläums der Sächsischen Bläserphilharmonie eine Komposition zu erstellen. Als Sujet für diese Komposition wählte man gezielt das Leben und Wirken Katharina von Boras, die als historische Persönlichkeit untrennbar mit Mitteldeutschland verbunden ist. So unterstreicht das Orchester seine Verankerung in dieser Region, die nicht nur durch ihre reichhaltige musikalische Tradition eine einzigartige Kulturlandschaft darstellt.

Bert Appermont, gewohnt im Umgang mit historischen Begebenheiten, wählte die Form der Kammeroper, um die verschiedenen Aspekte der Persönlichkeit Katharina von Boras besser herausstellen zu können. Scheinbar mühelos fügt er Musik aus unterschiedlichen Stilrichtungen und Epochen zusammen und illustriert so die sieben Bilder der Kammeroper. Durch musikalische Zitate, wie z. B. aus Johann Sebastian Bachs "Matthäus-Passion", Franz Schuberts "Erlkönig" sowie mit eigenen Leitmotiven gelingt es ihm, die Handlung über die Aussage des Textes hinaus fortzuführen.

Einst als Nonne aus dem Kloster Nimbschen geflohen, lenkte Katharina von Bora, die unabhängige und selbstbewusste Frau an der Seite Martin Luthers, den Fortgang der Reformation aus dem Hintergrund. Sie verwaltete und bewirtschaftete erfolgreich den Grundbesitz Luthers und betreute und unterstützte seine Anhänger. Katharina machte Luthers Anwesen zum Pilgerort der Reformation. Doch erst von der Nachwelt wird sie als kluge, stolze und geschäftstüchtige Frau dieser bahnbrechenden Epoche wahrgenommen.

Jef Mellemans legte dem Libretto drei Leitgedanken zugrunde. Der erste war die Position der Person Katharinas zu ihren Lebzeiten, stand sie doch ständig im Schatten Martin Luthers und war durch äußere Zwänge in ihrem Leben stark eingeschränkt. Armut brachte sie ins Kloster, ein riesiger Haushalt verlangte ihre ganze Kraft und die aufwendige Pflege von Kranken während einer Pestepidemie ließ keinen Raum für die Trauer um ihr eigenes geliebtes Kind. Sogar sie selbst stellte ihre eigene Person in Frage.

Der zweite Leitgedanke war die Liebe, die sie ihrem Mann, aber im besonderen Maße ihren Kindern zukommen ließ.

An dritter Stelle steht die Parallele ihres Namens (von Bora) zu dem Wetterphänomen eines starken, kalten Windes aus Nordost, der Bora. Wie dieser Wind war sie immer in Bewegung, eigentlich sogar ständig auf der Flucht. Da gab es die Flucht aus dem Kloster, die Flucht vor dem Krieg und die Flucht vor der Pest. Auch war es ein eisiger Wind auf der Reise nach Eisenach, der dem schon kranken Luther den Todesstoß versetzte.

Mit Zitaten, u. a. aus Luthers Briefen und seinen Tischreden, sowie Textpassagen mittelalterlicher Mystiker gibt Jef Mellemans uns einen sehr plastischen Eindruck von Katharina von Boras Welt. Ebenso verwendet er Elemente der antiken Tragödie, wenn er z. B. den Chor als zusätzliche Erzählebene einsetzt. Personen werden mit Begebenheiten gleichgesetzt. So stellt er die Beziehung zu Philipp Melanchthon sehr drastisch dar. Dieser war gegen die Heirat Luthers mit Katharina, da er dadurch politische Stellung des Reformators gefährdet sah. Auch wird er mit Spottversen gegen Katharina in Verbindung gebracht. Im fünften Bild ist es Ave von Schönfeld, die zuvor durch ihren Verzicht auf eine Ehe mit Luther, die Geburt der Kinder Katharinas, sozusagen als Patin, verkündet. Natürlich nimmt sich Jef Mellemans die dichterische Freiheit heraus, das historische Geschehen in seinem Sinne zu bearbeiten. Er schuf eine Rahmenhandlung, in der Katharina von Bora in einer Halluzination unmittelbar vor ihrem Tod die Stationen ihres Lebens an sich vorüberziehen sieht.